360-Grad-Journalismus: Videos

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360-Grad-Video-Journalismus

Nationale und internationale Medienanbieter wie die New York Times, CNN, das ZDF, die Berliner Morgenpost und viele andere experimentieren bereits mit journalistischen 360 Grad-Videoproduktionen. Das Konzipieren, Drehen, Bearbeiten, Veröffentlichen und Konsumieren von 360 Grad-Videogeschichten erfordert ergänzende Hard- und Software, technisches Know-How, Experimentierfreude und ein Umdenken im Vergleich zur klassischen Videoproduktion.

Wann soll ich 360 Grad nutzen?

Wenn,

1) es um Orte geht, die schwer zu erreichen sind oder von Menschen selten aufgesucht werden.

2) das Erleben des Ortes das Verständnis für die Geschichte vertieft und mehr bringt als klassische Fotos, Videos.

3) es unerlässlich ist, den Kopf zu bewegen. Bei einer politischen Debatte braucht man kein 360 Grad-Video.

Nur weil man technisch 360 Grad-Videos anfertigen kann, heißt nicht, dies immer und überall zu tun. Als recht sinnvoll erwiesen hat sich zudem hier und da ein Moderator im Bild, der die Erfahrung lenkt und Nutzerinnen und Nutzern durch das Video führt. Weitere Hinweise gibt es im Stanford Journalism Program’s guide to using virtual reality for storytelling.

Generelle Tipps

Zum Starten hier sechs Tipps, sie stammen aus einem Artikel des ijnet, dem international journalists‘ network.

1) Es gibt nicht nur eine Linse
Das ist ungewohnt, aber um einen Rundumblick zu generieren, haben 360 Grad-Kameras mehrere Linsen. Das ist auf der einen Seite natürlich praktisch. Auf der anderen Seite kann es schnell zu Problemen mit unterschiedlichen Lichtsituationen und Farbwerten führen.

2) Da ist niemand hinter der Kamera
Wenn Sie die Kamera selber halten, dann sind Sie beim Drehen immer im Bild. Sie tun also gut daran, halbwegs passabel und seriös in die Linse zu blicken. Die Alternative: Ein Stativ und die Fernsteuerung der Kamera per Smartphone-App.

3) Keine Schwenks mehr
Das ist neu und ungewohnt. Sie müssen nicht mehr mit der Kamera schwenken. Sie sollten dies auch nicht mehr tun. In einem 360 Grad-Szenario sucht sich der Betrachter selber aus, was er angucken mag.

4) Mittendrin sein
Mit 360 Grad-Kameras und deren Weitwinkelobjektiven gilt es umzudenken. Die klassischen Shots von Totale bis Detail müssen überdacht werden. Am besten filmen sie auf Augenhöhe mittendrin und alles Wichtige sollte nicht zu weit von der Linse weg sein, aber eben auch nicht ganz nah.

5) Wie im Theater
Es gilt umzudenken. Entweder nehmen Sie den Betrachter mitten rein in eine Szene. Oder sie positionieren ihn als außenstehenden Beobachter mit gutem Blick auf die Szenerie.

6) Experimentieren und die wichtige Frage
Noch haben sich keine finalen 360 Grad-Video-Erzählstandards ausgeprägt. Experimentieren Sie. Aber eine zentrale Frage sollten Sie sich immer stellen: Muss das hier jetzt gerade 360 Grad sein? Und wenn ja, warum?

360 Grad-Videos erstellen und bei YouTube veröffentlichen

Hier eine kleine Anleitung, um direkt loszulegen. Das Ganze wirkt recht aufwendig, wird aber erstes durch schöne Ergebnisse belohnt und geht beim zweiten Mal schon deutlich schneller.

Ricoh Theta S

1. Schritt: Video erstellen

Es gibt zahllose 360 Grad-Videokameras für jeden Geldbeutel und der Markt entwickelt sich rasch. Zum Starten empfehlen wir derzeit die Ricoh Theta. Sie ist u. a. YouTube-360 Grad kompatibel. Bestmögliche Ergebnisse erzielt man, wenn man das Video mit hoher Auflösung gemäß den erweiterten Spezifikationen von YouTube codiert. YouTube unterstützt zurzeit 360 Grad-Videos mit 24, 25, 30, 48, 50 oder 60 Bildern pro Sekunde. Google empfiehlt, dass man 360 Grad-Videos im Über/Unter-Rektangularformat mit einem Seitenverhältnis von 2:1 und einer Auflösung von mindestens 7.168 x 3.584 und höchstens 8.192 x 4.096 exportiert. Natürlich kann man 360 Grad-Videos auch mit benutzerdefinierten Kamerastativen und Stitching-Software von Drittanbietern wie beispielsweise Kolor Autopano erstellen.

2. Schritt: Upload vorbereiten

Für die Wiedergabe von 360 Grad-Videos muss die Videodatei bestimmte Metadaten enthalten.

Führen Sie die folgenden Schritte durch, um eine App zu installieren, die einer neuen Datei die erforderlichen Metadaten hinzufügt.

360 Grad-fähige Datei mit einer App erstellen

  1. Laden Sie die App „360 Video Metadata“ für Mac oder Windows herunter.
  2. Entpacken Sie die Datei und starten Sie anschließend die App „360 Video Metadata“. Auf einem Mac ist es unter Umständen erforderlich, zunächst mit der rechten Maustaste auf die App und dann auf Open (Öffnen) zu klicken.
  3. Wählen Sie die gewünschte Videodatei aus.
  4. Klicken Sie zunächst das Kästchen Spherical (Sphärisch) an und wählen dann Save as (Speichern als) aus. Klicken Sie nicht das Kästchen „3D Top-bottom“ (3D oben/unten) an. Weitere Informationen in der Uploadanleitung für VR-Videos.
  5. Geben Sie einen Namen für die neue Datei an.
  6. Speichern Sie die Datei. Die App erstellt automatisch eine neue Datei, die an demselben Ort gespeichert wird wie die Originaldatei.
  7. Laden Sie die neue Datei auf YouTube hoch.
  8. Warten Sie, bis die Verarbeitung des 360 Grad-Effekts abgeschlossen ist. Dieser Vorgang kann bis zu einer Stunde dauern.

3. Schritt: Datei hochladen

Sie können vor der Veröffentlichung überprüfen, ob die 360 Grad-Wiedergabe für das Video aktiviert ist, indem Sie es sich auf Ihrem Computer ansehen. Es kann bis zu einer Stunde dauern, bis die 360 Grad-Wiedergabe verfügbar ist.

Bei 360 Grad-Videos erscheint oben links eine Schaltfläche zum Schwenken, die mithilfe der WASD-Tasten gedreht werden kann. Halten Sie nach diesen Funktionen Ausschau, um zu bestätigen, dass die 360 Grad-Wiedergabe für Ihr Video aktiviert ist.

Planung und Storyboard

360-Grad-Storyboard

Ein gutes 360 Grad-Video will genau wie ein klassisches Video gut geplant sein. Ein geeignetes Mittel ist ein Storyboard. Natürlich muss hier nun ein angepasstes 360 Grad-taugliches Storyboard verwendet werden. Gut, dass es genau so eins im Internet als PDF gibt. Vincent McCurley, Creative Technologist 8 beim National Film Board Canada, hat ein solches Storyboard entwickelt.

360-Grad-Storyboard

Livestreaming

Eine schöne Kombination bietet visueller 360 Grad-Video-Content und die Livefunktion verschiedener Dienste. So ist es möglich, mit externer 360-Grad-Kamera und beispielsweise einem Smartphone live in 360 Grad zu streamen. Jeweils weiterführende Informationen dazu hier: YouTube, Facebook, Persicope.

Generelle ergänzende Links

Das netzwerk medien-trainer bietet als Partner des Google News Lab Workshops zu den ‚Google-Tools für Journalisten‘ an. Informieren Sie sich.

Kontakt

Sie möchten uns kontaktieren? Schreiben Sie uns eine E-Mail über das folgende Kontaktformular.

Manuela Feyder
Tel. +49.170.8146 558
E-Mail: feyder@netzwerk-medien-trainer.de

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