Erfolgreich im Digitalen

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Erfolgreich im Digitalen

Von Volker Matthies

Wir werden in Zukunft zwei Klassen von Medienanbietern haben: Die einen, die sich eine Digitalstrategie geben, ihren Anspruch an sich selbst und damit für die Kunden neu definieren – und die anderen, die an Ihren Erfahrungen und Erfolgen der Vergangenheit festhalten und versuchen, daraus Erfolg im Digitalen abzuleiten.

David Pemsel
David Pemsel auf dem Guardian Media Summit

Das Beispiel „The Guardian“

Was es heißt, Anspruch an sich selbst zu definieren und sich entsprechend zu positionieren, zeigt der Guardian. David Pemsel, der neue Chef der Guardian Media Group, hat die Positionierung seines Medienunternehmens gerade noch einmal deutlich auf den Punkt gebracht.  Auf dem Guardian Media Summit sagte Pemsel: „We want to be the most influential news organisation of the world.“ Überheblich? Ich glaube nicht. Denn hinter diesem Anspruch steckt ein Masterplan, der bereits seit 2011 greift, als der Guardian seine Digitalstrategie, seine Vision von „digital first“ und „open journalism“ ausgerufen hat. „Digital first“ geht dabei weit über das oft in Deutschland entwickelte Verständnis von „online first“ hinaus. Der Guardian hat seinen – damals noch stark am Analogen ausgerichteten Produktionsprozess – komplett hinterfragt, erklärt mir Johnson in London. Zum Start des Veränderungsprozesses wurde dem Team eine Frage gestellt: Was ist an dem, wie wir produzieren gut und was nicht? Das Ergebnis wurde an einer langen Wand mit kleinen Zetteln visualisiert: 16 Zettel für „gut“, 174 für „nicht gut“. Heute ist der Guardian-Newsroom im Londoner Norden komplett am Digitalen ausgerichtet.

Romanus Otte auf dem Crossmedia-Tag des netzwerk medien-trainer
Romans Otte auf dem Crossmedia-Tag

Das Beispiel „WeltN24“

Parallelen zum Weg des Guardian sehe ich bei WeltN24. Romanus Otte, General Manager DIE WELT digital definierte seinen Anspruch auf dem @crossmediatag des netzwerk medien-trainer so: „Wir machen DIE WELT zum Marktführer für Qualitätsjournalismus in der digitalen Zeit.“ Auch hier die Frage: Überheblich? Meine Antwort: nein. Denn auch der Weg von WeltN24 ist konsequent. Das Unternehmen richtet sich mit seiner Digitalstrategie an den Anforderungen des Digitalen aus. Das Selbstverständnis im Umgang mit Online hat sich von „Online first“ über „Online wird Digital“ über „Online to Print“ bis zu „Digital first“ entwickelt. Entsprechen ist auch der Newsroom getaktet, ausgerichtet an den unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Digital, Tageszeitung und Wochenzeitung. Und wo die hergebrachten Strukturen noch nicht am Digitalen ausgerichtet sind, gilt laut Otte: „Die Sitzordnung muss nicht der Berichtslinie folgen.“ Auch wenn sich Strukturen nur langsam verändern, können die Menschen schon zusammenrücken, um gemeinsam fürs Digitale zu arbeiten.

Ulrik Haagerup im DR-Newsroom
Ulrik Haagerup im DR-Newsroom

Das Beispiel „Dänischer Rundfunk“

Europäischer Maßstab unter den öffentlich-rechtlichen Anbietern ist meiner Meinung nach nicht die BBC, wie so oft zu hören. Im News-Bereich ist es der Dänische Rundfunk (DR) mit dem Ulrike Haagerup an der Spitze. Der Dänische Rundfunk hat bereits in den Nullerjahren eine medienübergreifende Aufbauorganisation gegeben und konnte 2007 in einem neuen Gebäudekomplex seine crossmedial ausgerichtete News-Produktion starten. Haagerup hat früh erkannt, dass das Verfilmen von Zeitung- und Agenturmeldungen der sicherste Weg in die eigene Bedeutungslosigkeit ist. Als ich Haagerup in Kopenhagen treffe, sagt er über das Selbstverständnis des DR: „We plan 60% of what we do in the news department.“ Die News auf allen Plattformen können sich dabei auf die gebündelte Kompetenz der Ressorts stützen: Die Desks für International, National, Politik, Wirtschaft und Sport sind medienübergreifend organisiert. „On top“ sitzt noch Haagerups ganz persönliche Vision; das, was er „constructice news“ nennt. Das Konzept klingt anfangs befremdlich und stößt gerade im deutschsprachigen Raum auf Skepsis. Ich empfehle, Haagerups Buch zu lesen, um sich eine Meinung zu bilden.

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Manuela Feyder
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